Dr. Wolfgang Gerhardt eröffnet Stiftungsbüro in Kiew
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| Dr. Wolfgang Gerhardt |
Gerhardt betonte, dass die Ukraine sowohl in der EU wie in der NATO willkommen ist. Die Mitgliedschaft sei eine souveräne Entscheidung des Landes, bei der niemand ein Mitspracherecht habe, auch nicht der große Nachbar Russland. Allerdings müsse der Weg dorthin von einer realistischen Analyse der augenblicklichen Möglichkeiten begleitet werden. Die EU ist mit den Nachwirkungen des schnellen Erweiterungsprozesses voll beschäftigt. Nach der kürzlich vollzogenen Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation sind ein Freihandelsabkommen, ein erweitertes Abkommen über die gegenseitige Zusammenarbeit und die Assoziierung die nächsten logischen Schritte auf dem Weg der Ukraine in die Europäische Union. Bei der NATO ist mit einer Befürwortung des ukrainischen Antrages auf Mitgliedschaft im Membership Action Plan (MAP) während des Gipfels in Bukarest im April wohl nicht zu rechnen. Aber der Westen sollte der Ukraine einen konkreten Weg zum MAP anbieten, mit Unterstützung der Bundesregierung, meinte der Stiftungsvorsitzende.
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| Außenminister Ohryzko |
Freiheit, die ich meine
Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit hat sich seit dem Beginn ihrer Tätigkeit in der Ukraine vor zwei Jahren einen guten Namen gemacht. Vor rund 100 Vertretern des öffentlichen Lebens, unter ihnen Abgeordnete aller wichtigen Parteien sowie führende Mitglieder renommierter Think-Tanks und NGOs, erläuterte Wolfgang Gerhardt die universelle Bedeutung des Freiheitsbegriffes in der weltweiten Tätigkeit der Stiftung. In der Ukraine immer noch eine notwendige Klarstellung.
Im anschließenden Rundgespräch zum „Stand der Freiheit in der Ukraine“ wurde deutlich: zwar ist nach der „Orangenen Revolution“ ein relativ freiheitliches Meinungsklima geblieben, aber die privaten Medieneigentümer vernachlässigen die Informationspflicht und suchen kommerzielle Vorteile. „Die Leidtragenden sind dabei meine Kollegen“, sagte Viktoriia Siumar, eine führende ukrainische Radiojournalistin und engagierte Kämpferin für eine Medienlandschaft, die der demokratischen Entwicklung ihres Landes den Rücken stärkt.
Auch die wichtigsten politischen Institutionen und vor allem das Gerichtswesen werden ihren gesellschaftlichen Pflichten nicht ausreichend gerecht. Der liberale Parlamentsabgeordnete und Rechtsanwalt Mikola Katerintschuk, Vorsitzender der Europäischen Partei und bekannt als mutiger Streiter gegen die Wahlfälschungen während der Orangenen Revolution, kritisierte die Dominanz wirtschaftlicher Einzelinteressen unter seinen Kollegen, das Fehlen einer allseits respektierten Geschäftsordnung in der Volksvertretung und den ungebremsten Hang zur physischen Gewalt in den Parlamentsräumen. Die Korruption in Behörden und Justiz lässt nicht nach, der Zugang des einzelnen Bürgers zu den Gerichten ist von hohen Schranken behindert. Trotz wachsender marktwirtschaftlicher Strukturen gibt es zu viel ökonomische Macht in den Händen der Oligarchen und ein Steuersystem, das illegale persönliche Begünstigungen fördert.
Die Ukraine bleibt allerdings das einzige Land der ehemaligen Sowjetunion neben den Baltischen Staaten, das den politischen Machtwechsel erfolgreich geprobt hat und eine weitgehend freie öffentliche Diskussion erlaubt. „ Wir müssen unseren Weg zur Freiheit auch außenpolitisch absichern, mit der Mitgliedschaft in der NATO“, meinte der Politikwissenschaftler Olexij Haran von der renommierten Kiewer Mohyla-Universität. Er erinnerte an Konrad Adenauer, der die Bundesrepublik gegen die damalige Mehrheitsmeinung in die NATO brachte. „Wir brauchen Politiker, die nicht nach Mehrheiten schielen, sondern überzeugende Realitäten schaffen“.
Manfred Wichmann
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